Alle Arbeit hat den großen Nachteil, 
dass sie den Menschen ablenkt, zerteilt, von sich selbst entfernt.
Und daher kommt es, dass alle Heiligen, alle Religionsstifter,
alle Menschen, die in größerer Nähe zu Gott lebten,
sich in die Einsamkeit zurückzuziehen pflegten.
Was taten sie dort? Nichts.
Aber dieses Nichtstun enthielt mehr Leben und innere Aktivität 
als alles Tun aller anderen.
Der größte Mensch wird immer der sein, der ein Spiegel zu sein vermag:
kein zitternder, getrübter, ewig bewegter,
sondern ein klarer, reiner, ruhender Spiegel,
der alles göttliche Licht in sich einsaugen kann.
Selig sind die Müßigen, denn sie werden die Herrlichkeit Gottes schauen;
selig sind die Stunden der Untätigkeit,
denn in ihnen arbeitet unsere Seele.
                                                   Egon Friedell
                    Kulturgeschichte der Neuzeit, 1. Buch, 6. Kapitel

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